Projektunterricht: Kritische Reflexion des eigenen Medienverhaltens
Im Rahmen des wöchentlich zweistündig stattfindenden Projektunterrichtes wurden fünf Unterrichtseinheiten entwickelt:
- Medienfunktionen unterscheiden
HA: TV-Konsum einer Woche und Fragekatalog zu den beliebtesten Sendungen (“Hitliste”) - Fernsehen: „Hitliste” auswerten und eine TV-Kritik schreiben
- Fernsehen: „Total vernetzt - Talkshows: Die Macht der Worte” (Teil 1)
- Fernsehen: „Total vernetzt – Talkshows: Die Macht der Worte” (Teil 2);
Vorbereitung des Thementages: Fragekatalog an einen Experten erstellen - Thementag „Medien”:
- Vergleich Live- mit TV-Auftritt;
- Schüler/Expertengespräch;
- altersgerechte TV-Pläne, Regelkatalog zum persönlichen TV-Konsum;
- Schüler-Evaluation des Gesamtprojektes
Und dann ging es los in einem so umfang- wie facettenreichen Unterrichtsprojekt. Ziel der Projekteinheit war es, einen Baustein zu schaffen für ein Konzept zur Reflexion des eigenen Medienverhaltens für die gesamte Sekundarstufe I.
Projekteinheit „TV/Talkshow“
Hervorstechend war am Talkshow-Projekt, dass Medienkompetenz fächerübergreifend, praxis- und produktorientiert und nah an der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler vermittelt wurde. Es gab Leitfragen wie
- Wie sieht das Fernsehverhalten der einzelnen Schülerin/des einzelnen Schülers konkret aus?
- Wie lange und zu welchen Tageszeiten sehen sie fern?
- Welche Sendungen werden rezipiert und welche Auswirkungen hat dies auf die Person?
Einführungsstunde
In der Einführungsstunde lernten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Arten von Medien und deren Funktion kennen. In einer Blitzabfrage ordneten sie anhand von Klebepunkten einzelnen Medien ihre persönliche Nutzungsdauer für einen bestimmten Wochentag zu. Die gesetzten Klebepunkte wurden miteinander verbunden und ergaben einen signifikanten, individuellen Kurvenverlauf, der zunächst selbstständig in Einzelarbeit (EA) ausgewertet und in Partnerarbeit (PA) nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden untersucht wurde. Der Vergleich und die Präsentation im Plenum (PL) beinhaltete auch einen Austausch über die Medienfunktionen: Informieren, Unterhalten, Lernen und Kommunizieren. Die Festigung erfolgte über ein Medienpuzzle. Zur Vorbereitung auf die nächste Stunde sollten die Schülerinnen und Schüler als Hausaufgabe ein Medientagebuch über den Zeitraum einer Woche führen und darin eine “Hitliste” ihrer Lieblingssendungen ermitteln.
Medientagebuch
Im Medientagebuch und auch im Kurvenverlauf zur Nutzungsdauer der einzelnen Medien bestätigten sich die Aussagen der KIM-Studie. Die wöchentliche Fernsehdauer umfasste ein Spektrum von ca. ½ Stunde bis 30 Stunden, wobei die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler sich dem oberen Drittel zuordnete. Besonders beliebte Sendungen waren: „Die Simpsons”; „Spongebob Schwammkopf”; „Hannah Montana”; „Deutschland sucht den Superstar” und „Germanys Next Topmodel”. Die weitere Medienanalyse beinhaltete eine erste TV-Kritik, bei der in EA, PA und im PL von den Schülerinnen und Schülern ein Fragenkatalog entworfen und ausgewertet wurde.
Medienanalyse
Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Fernsehverhalten befähigte die Schülerinnen und Schüler zu einer ersten kritischen Reflexion mit dem Ziel, Medienangebote zielgerichtet und begründet auszuwählen. Über ihre Fernsehgewohnheiten zu sprechen und sie zum Thema werden zu lassen, stieß bei der Mehrheit der Schülerinnen und Schüler auf ein überaus großes Interesse. Auffällig war, dass Schülerinnen und Schüler, die sich ansonsten kaum am Unterricht beteiligten - intrinsisch motiviert - als Medienexperten auftraten und ein breites Wissen über Medieninhalte, -arten und -funktionen wiedergaben.
Aus der Fülle der TV-Angebote wurde in den folgenden drei Unterrichtseinheiten die Gattung des Affektfernsehens für eine weitere Medienanalyse bestimmt. Anhand bekannter Talkshows erkannten und bewerteten die Schülerinnen und Schüler vorherrschende Inszenierungsmuster und Kommunikationsstrategien, formulierten Vor- und Nachteile des Talkshow-Konsums, unterschieden den Wert eines wahren Gesprächs von den gestellten, übertriebenen Gesprächssituationen und lernten dabei sprachliche Unterschiede („Edel-Talk” und „Müll-Talk”) zwischen verschiedenen Gesprächssituationen kennen. Zur Anwendung kamen Ausschnitte aus der Oliver Geissen-Show „Schlagende Mädchen”.
